Rausch
Eine Koproduktion mit anoukvandijk dance company
Repertoire, Uraufführung
Dauer: 1 Stunde, 45 Minuten - keine Pause


Der vollständige Stücktext ist in der neuen Anthologie von Falk Richter Theater. Texte von und über Falk Richter 2000 - 2012 enthalten.
„You know I used to be so wild and now I am so fragile.“
Mit einem internationalen Ensemble entsteht in einem offenen, langen Recherche-, Schreib- und Probenprozess die Uraufführung Rausch: Sieben Tänzer und fünf Schauspieler begeben sich auf die Suche nach dem ultimativen Rausch, einem Ausbruch aus den Zwängen unserer liberalen Kontrollgesellschaft, einem Aufbruch in ein Leben ungeahnter Intensität und unbekannter Freiheit.
Die Paarung der menschlichen Gattung in den urbanen Zentren der westlichen Hemisphäre ist ziemlich kompliziert geworden. Die Deregulierungen der neoliberalen Moderne haben im frühen 21. Jahrhundert auch den Heiratsmarkt endgültig entfesselt, die Auswahl möglicher Partner für die kleine wie die große Liebe ist so unübersichtlich wie unendlich verheißungsvoll geworden. Der Rausch der Liebe, unsere letzte Utopie, hat sich in einen heiß umkämpften Markt verwandelt. Und wenn die Liebe gefunden ist, beginnt die Arbeit: an der Beziehung und an sich selbst.
Wo finden wir da noch den Rausch der Gefühle, diese alles verzehrende Leidenschaft, die dem Leben Sinn und Tiefe zu geben vermag, diese transzendente Erfahrung, die unsere abgesicherte Alltagsexistenz überstrahlt? Kann sich die heimliche Sehnsucht nach Entgrenzung und Kontrollverlust des Selbst nur noch systemkonform im Konsum-, Arbeits- oder Börsenrausch erfüllen? Ist unsere hart erkämpfte Autonomie und Selbstverantwortung als modernes Individuum zu einem Fluch geworden?
Dass Künstler wie der Autor und Regisseur Falk Richter und die Choreografin Anouk van Dijk in einem gleichberechtigten Prozess gemeinsame Kunstwerke schaffen, ist eine Seltenheit – ihre Arbeiten Nothing Hurts, Trust und Protect me entstanden in Hamburg sowie an der Berliner Schaubühne und wurden rund um die Welt eingeladen. Das Interesse der beiden Künstler richtet sich auf den seelisch-körperlichen Zustand des modernen Individuums und seine Position im gegenwärtigen ökonomischen System. Aus einer sehr persönlichen Perspektive reflektieren sie Phänomene wie Erschöpfung, Verunsicherung und Vereinzelung – genauso wie den Widerstand dagegen. In Rausch arbeiten Falk Richter und Anouk van Dijk weiter an einer Anatomie der Gefühle am Beginn des 21. Jahrhunderts.
Die Musik für die Szenen, Bildern und Atmosphären, die sich wie Tracks zu einem Album fügen, komponiert der in der experimentellen Szene als Star gefeierten australischen Musiker Ben Frost („Arvo Pärt, von Trent Reznor arrangiert“ Wire-Magazin), der damit zum ersten Mal für ein deutschsprachiges Theater arbeiten wird.
Mit freundlicher Unterstützung der Niederländischen Stiftung für darstellende Kunst+, der Gemeinde von Amsterdam und der Botschaft des Königreichs der Niederlande und The Rolex Institute.
Wir danken den Freunden des Düsseldorfer Schauspielhauses für die freundliche und großzügige Unterstützung dieser Produktion.
Atemlos wird meist plumpe Polit-Agitation in den Saal gebrüllt. BILD, 16.4.12
Die Regisseure zelebrieren den Frontalangriff auf die konservativen Kräfte als zornige Litanei: Die katholische Kirche, das englische Königshaus, die Deutsche Bank, CDU und FDP müssen den Planeten verlassen. „Rausch“ kreist effektvoll und mit viel Humor um die komplexen Angelegenheiten der Gegenwart und klickt von der Beziehungskiste zur Finanzwelt, von der Loveparade zum Weltverbesserer. Geschickt zerpflückt „Rausch“ die Kommunikationsmechanismen unserer Zeit und rüttelt aufgebracht an Politik und Politikverdrossenheit. WZ, 16.4.12
Realitätsverlust, Verunsicherung, Wahrnehmungsstörungen, Panik und Ohnmachtsgefühl untersucht das Projekt „Rausch“. Eine politisch-poetische Kollage aus Text, Musik und Tanz ist es geworden, was am Wochenende unter großem Applaus und einigen Buhs in Düsseldorf uraufgeführt wurde. Der Autor und Regisseur Falk Richter hat mit der Choreografin Anouk van Dijk die aktuelle Lage von Individuen in Not untersucht, die Unerträglichkeit des Seins aufgeschrieben und theatralisiert. Zwölf Tänzer und Schauspieler agieren gleichberechtigt und folgen in einer sich steigernden Ekstase der Aufforderung Aleksandar Radenkovics, der eingangs skandiert: „Ich möchte mich wegschreiben … woanders hin wegleben." Rheinische Post, 16.4.12
Ein Aufschrei des Herzens scheint naiv in einer Welt voller Lärm - von einem Sender, der nur Rauschen produziert -, mit Psychiatern und Facebook, die unsere Köpfe mit normativen Ansichten über Beziehungen vollpumpen. Es ist düster, aber oft auch humorvoll und kabarettistisch, wie die Figuren in Rausch gleichzeitig nach Verschmelzung und Freiheit suchen, nach dem Neuen und dem Vertrauten, nach dem anderen und sich selbst. Rausch spielt in einem fast kahlen, rauen Theater. Einige Ledersitzbänke wie in einem Wartezimmer fungieren als Hürden für die Tänzer. Ihr Adrenalin ist das Adrenalin des Schauspielers, der sagt, dass er sich eine leere Welt wünsche, der sich fragt, ob du und ich es schaffen werden. Seine Verzweiflung klingt in zitternden Körpern nach, oder in wunderbar dramatischen, fast klassischen Skulpturen, die die Performer aufeinander kletternd formen. Meterhohe Kisten erweisen sich als Käfige, in die wir uns und unsere Beziehung einschließen können, uns an die Wände klatschen und stoßen. Visuell ist Rausch ein Genuss. De Volkskrant, 16.4.12
Überhaupt ist diese Düsseldorfer Produktion ein junges Stück, laut und wild. Das liegt nicht zuletzt an der packenden Choreografie Anouk van Dijks, die Tänzern wie Schauspielern einen dynamischen Bewegungsmarathon abringt, und an der Musik von Ben Frost. Die teils meditativen, teils metall-scharfen Kompositionen des Australiers mischen sich wie eigenständige Statements ins Bühnengeschehen ein. Brillant auch: Aleksandar Radenkovic, Cédric Eeckhout, Steven Michel. WZ, 16.4.12
Am Ende lösen sich die Worte in Klänge auf, die Klänge verdichten sich zu einem Rauschen. Der Zuschauer steht vor einem Gesamtkunstwerk. Neue Lebensformen werden dank künstlerischer Prozesse gefunden – da sind sich Richter und van Dijk mit Joseph Beuys einig. Sie haben einen anregenden, ästhetisch wertvollen Theaterabend geschaffen. Auch dank zwölf großartiger Akteure. Rheinische Post, 16.4.12
Gesellschaft außer Kontrolle – Liebe unter Kontrolle
Zum vierten Mal arbeiten der deutsche Theater- und Opernregisseur und Dramatiker Falk Richter und die niederländische Choreografin Anouk van Dijk gemeinsam mit SchauspielerInnen und TänzerInnen zusammen. Mit Rausch haben sie 2012 am Düsseldorfer Schauspielhaus ihre Arbeit, Systeme der modernen Gesellschaft und ihre Zusammenhänge von Misstrauen, Sicherheit, Politik, Macht und Geld zu beschreiben, fortgesetzt. Im Mittelpunkt eines um sich selbst kreisenden Apparates steht das Individuum mit all seinen Sehnsüchten, Ängsten und Orientierungslosigkeiten, nach Anschluss und Antworten suchend:
Verschwitzte, ausgepowerte Körper. Sie drehen sich im Kreis. Sie drehen sich um sich selbst. Sie ringen um sich selbst, um ihre Identität und um Aufmerksamkeit und um Anerkennung. Ein Ringen um Nähe. Unertragbar nahe Nähe. Ihre Themen drehen sich im Kreis, um sich selbst. Sie geraten außer Kontrolle, verlieren den Verstand, verlieren die Sprache. Sprache verliert Bedeutung und ohne Bedeutung bleibt Leere – ein Rauschen bleibt zurück. Eine Silhouette von dem, was mal war.
Außer Kontrolle
Der rauschhafte Zustand war im Ursprünglichen ein körperlich erfahrbarer. So wird der Begriff „Rausch“ aus dem Mittelhochdeutschen rusch abgeleitet und steht für ungestüme Bewegung wie es bspw. bei den Seemännern durch das stetige Schiffsschaukeln in Form von Gleichgewichtsstörungen, der Seekrankheit, auftrat. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich der Begriff im deutschsprachigen Raum so stark gewandelt und verschiedene Konnotationen angenommen, dass Übersetzungen wie „trip“, „ecstasy“ oder „rush“ im Englischen, „frénésie“ oder „ivresse“ im Französischen dem nicht gerecht werden können. Mit Einzug in die Literatur im 16 Jh. geriet der Begriff des Rauschs zunehmend in Verbindung mit dem Alkohol; bis heute wird er negativ konnotiert mit sinnlosem Betrinken oder „den Verstand ausschalten“. Mitte des letzten Jahrhunderts waren es dann Autoren wie Timothy Leary und Aldous Huxley und der Boom synthetischer „Rausch“-Mittel, die dem Wort die letzte Bestimmung gaben: bewusste Manipulation von Körper und Psyche, Sinnestäuschung, Flucht in die Irrationalität, die Ernüchterung nach der Euphorie.
In der Philosophie und der Soziologie gehört der Rausch als eine Grundkonstante zum Funktionieren einer Gesellschaft dazu: vom reinigenden dionysischen Fest in der Antike, bis zum gemeinschaftlichen Ausleben der christlichen Liturgie. Gleichwohl finden sich diese kollektiven Orgasmen auch in unserer zeitgenössischen Festkultur wieder. Egal ob Karneval, Geburtstagsfeiern oder der jährliche Gang auf das Oktoberfest. Wir feiern, um dem Alltag ein Schnippchen zu schlagen, um einmal aus dem kontrollierten Leben auszubrechen.
Um die Gunst und die Psyche der nach Kontrollverlust Strebenden buhlen auf einer anderen Ebene, nämlich von Seiten des Wirtschaftssystems, vom Kapitalismus inszenierte Ersatzräusche wie dem Kaufrausch, dem Arbeitsrausch oder dem Börsenrauschen. Auch diese und andere Räusche können genauso die Hormone ausschütten, die es braucht, um in den Moment verliebt zu sein, das Bewusstsein in Wallung zu versetzten und eine andere, unkontrollierbare Wirklichkeit wahrzunehmen. Die Spielregeln machen allerdings die Anderen. Die Ernüchterung nach der Euphorie kann umso größer sein und den Süchtigen in ein schwarzes Loch namens Depression stürzen.
Liebe auf dem Prüfstand der Gesellschaft
Wie bricht man aus der Routine des Alltags aus, ohne sich aufoktruierten Spielregeln auszusetzen? Können und wollen wir uns überhaupt aus den gesellschaftlichen Zwängen befreien und uns in ungeahnte Möglichkeiten aufschwingen? Oder suchen wir nicht auch vor allem Ruhe von dem Informationsrausch?
Falk Richter und Anouk van Dijk befragen unter dem Begriff des Rauschs individuelle Sehnsüchte in einem westlichen System zwischen Kontrollwahn und Kontrollverlust.
So handelt Rausch vor allem von einem: dem von der Krise überprüften und gezeichneten moderne System der Liebe. Keinem anderen System geht es so gut in Zeiten, in denen Gesellschaften und Wirtschaften vom Zusammenbruch bedroht und von anonymen Wirtschaftsmächten kontrolliert sind. Existenzängste lassen zwangsläufig psychische Kompensationsbedürfnisse entstehen. Man muss sich wieder neu orientieren. In den letzten Jahren unserer neoliberalen Gesellschaft gab es eine Rückbesinnung auf Werte wie ein intaktes Familienleben und den Wunsch nach einer erfüllten Partnerschaft: das gemeinsame Zusammenleben als eine stabile Konstante, der Stein in der Brandung. Während auf alles andere liquide florierende um einen herum kein Verlass mehr ist – weder auf den gesicherten Job, noch auf die Gültigkeit von Informationen und Diskursen, noch die gerechte Umverteilung von Geldern – suchen wir Intimität und darin den lang ersehnten Ruhemoment. Einmal dem einnehmenden Hintergrundrauschen entkommen – das Chaos minimieren.
Wo also finden? diese Nähe, die erfüllende Zweisamkeit, in der man sich fallen lassen kann, eine Beziehung, der man vertraut? Und warum ist es so verdammt schwer geworden einen Partner oder eine Partnerin zu finden.
Die Bedingungen, unter denen eine Wahl betroffen wird, haben sich in der Moderne grundsätzlich verändert. In Zeiten pluralisierter Lebens- und Liebesformen auf einem Markt der Werte, grenzen- und „klassen“-überschreitender Liebe, inflationär verbreiteter Vorbilder generierender Medienware, die uns Sexualstrategien vorleben, aber auch in Zeiten angestrebter Gleichstellung und wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit dem Thema Liebe, ist ganz einfach die Partnerwahl komplexer als noch vor 100 Jahren.
Die Entzauberung der romantischen Liebe, die ihre Erfindung vor allem durch die Literatur im 19. Jh. erfuhr, fand spätesten im Zuge der 60er Jahre mit der sexuellen Befreiung und weiteren Rationalisierungsprozessen statt. Das Angebot und somit die Konkurrenz ist größer geworden. Formale Regeln wie die Abhängigkeit von Familie und sozialem Netzwerk sind weitestgehend degeneriert. Entscheidungen unterliegen neuen und individuellen, emotionalen und sexuellen Präferenzen und Bewertungsrastern, wenn zwischen einem „sozial passenden“ oder „erotisch attraktiven“ Partner entschieden werden muss. Es kommt zu einer „Deregulierung romantischer Begegnungen“ (Eva Illouz), welche von unsichtbaren Strukturen geregelt wird. Angelehnt an die Marktwirtschaft bezieht sich diese Transformation des Liebesmarktes auf die Herauslösung des kapitalistischen Marktes aus der Gesellschaft in einen selbstregulierenden.
Willkommen also auf dem Markt der Möglichkeiten. Um sich hier zu orientieren, braucht es Zeit und das Wissen, was man will. Die unentwegte Selbstreflexion, die Kontrolle der Gefühle und Überprüfung der eigenen Zufriedenheit, das sogenannte Ideal der Selbstverwirklichung. Und diese, unsere Freiheit der Wahl zieht eben auch jede Menge Leid mit sich. Erhöhte Scheidungsraten, zuhauf Single-Haushalte, emotionale Verkümmerung und Orientierungslosigkeit. Der Zeitgeist verrät eine gesunkene Bindungsbereitschaft, die sich aufgrund von erhöhter Flexibilität, Vertragsdenken und gesenktem Willen für Verbindlichkeiten entwickelt hat (erhöhtes Durchschnittsalter bei der Heirat, erhöhte Scheidungsraten, mehr Single-Haushalte etc.). Gleichzeitig folgt das Individuum stetig einem Urbedürfnis, einem Verlangen nach Anerkennung, das im Beruf oder im Statusdenken einer Familie – erst recht in krisengezeichneten Jahren, geschürt voll Unsicherheiten – nicht mehr gestillt wird. Die Suche nach Bestätigung erfolgt so auf dem Liebesmarkt der Möglichkeiten. Eine erfolgreiche Beziehung führen, in eine Beziehung investieren, an der Beziehung arbeiten, sich Sicherheitsnetzwerke und Kontakte aufrechterhalten für den Fall des Zusammenbruchs - alles Vokabular aus der Wirtschaft, welches zur Entzauberung der Liebe beisteuert.
Kurzum: Das Phänomen Liebe ist durch Wissenschaft, Technik und Politik viel zu sehr rationalisiert und desillusioniert, man handelt weniger impulsiv, sondern kontrolliert. An die Stelle der romantischen Erfahrung tritt Ironie und Unsicherheit, welche die Möglichkeit des ekstatischen Gefühls einschränken.
Virtuelle versus körperliche Entgrenzung
Nicht nur die Logik des kapitalistischen Marktes, sondern auch das Internet greift in die systematische Technik der Partnersuche und bietet verfeinerte Auswahlmöglichkeiten. Ausgeklügelte Partneragenturen verhelfen bei der ‚effektiven Suche einer erfolgreichen Partnerschaft in kurzer Zeit’. Sie erleichtert den Zugang zu Kontakten, die Auswahl ist stark visualisiert und nach verschiedensten Kriterien unterteilt, was potenzielle Partner messbar und austauschbar werden lässt. Das private Selbst gelangt in einen öffentlichen Auftritt; man legt ein Profil an, so wie es auch diverse weitere soziale Netzwerke verlangen. Das Profil löst beim Gegenüber eine Erwartung aus. Einbildungen und virtuelle Realität verschwimmen, die Enttäuschung beim ersten realen Treffen ist vorprogrammiert. Das Internet schürt fiktive Liebe und Fantasie, potenzielle sexuelle wie virtuelle Begegnungen, einen öffentlichen Markt mit Angebot und Nachfrage und die ernüchternde Enttäuschungen – möglicherweise.
Das Internet als ein Symbol von beschleunigten Prozessen einer modernen Gesellschaft: Nicht nur in Liebesangelegenheiten, auch in der vollständigen Technisierung der Umwelt spielt das Internet die wichtigste Rolle. Das komplette Leben vom Heim aus zugestalten, ist nun kein Problem mehr. Mode, Essen, Arbeit, Geld, Wissen und Sex – alles auf Bestellung.
Das Internet macht uns körperlos – ein Gefühl der Schwerelosigkeit, ein Abgeben von Verantwortung, ein moderner Religionsersatz, das Gefühl für Zeit und Raum verlieren.
Rausch ist nicht mehr unbedingt ein körperlich erfahrbarer Zustand, sondern in diesem Falle ein Bewusstseinsrausch. Eine Flucht in andere Wirklichkeiten.
Doch in Rausch wird das Publikum - wie es darstellenden Künste allgemein inhärent ist - der Leiblichkeit und gleichzeitigen Anwesenheit von Körpern ausgesetzt. Falk Richter und Anouk van Dijk lassen Schauspiel und Tanz aufeinander prallen und setzen dadurch neue kreative Synergien frei. Ihre interdisziplinäre Arbeitsweise dient nicht nur dem gegenseitigen Austausch und dem experimentellen Charakter, sondern löst auch eine Selbstreflexion aus.
Mit TRUST (2009) und dem Folgeprojekt Protect me (2010), beides produziert an der Schaubühne Berlin, haben sie das Zusammenspiel, das Ineinandergreifen, aber auch das Nebeneinander von Tanz und Theater perfektioniert. SchauspielerInnen folgen genauso der Countertechnik Anouk van Dijks, wie TänzerInnen sich plötzlich der Sprache bemächtigen. In einer ausgedehnten Improvisationphase werden gemeinsam Übersetzungen gesucht: Was lösen die Texte Falk Richters aus? Welche Emotionen, welche Bilder werden hervorgerufen?
Tanz wird hier als ein künstlerisches Medium eingesetzt, um den seelisch-körperlichen Zustand des Individuums auf der Suche nach seiner Position im politisch-wirtschaftlichen System darzustellen. Symptome der Zeit wie Erschöpfung, Verunsicherung und Vereinzelung – aber auch den Widerstand dagegen – finden einen körperlichen Ausdruck. Der Tanz antwortet den Worten mit einer fast verlernten Sprache: der Körpersprache. Der Körper tritt wieder in Erscheinung, er rennt, er schwitzt, er atmet.
Symbolisch rücken die Körperbilder dem Zustand der Gesellschaft immer näher: Auf der Bühne formieren sich Netz(werk)e, welche rasant in alle Einzelteile auseinander fallen können. Ein Zusammenbrechen von Märkten, Beziehungen und Menschen. Sie versinnbildlichen die Fragilität der eigenen Ordnung in einer vernetzten Welt – geprägt von Bindungslosigkeit, Unsicherheit, Existenzangst – in der körperliche Nähe zu etwas kaum Ertragbarem, weil Verlerntem und zugleich tief Ersehntem geworden ist.
Was bleibt also nach der Ernüchterung?
In einer Gesellschaft, in der wir permanent uns selbst inszenieren und Energie in Selbstdarstellung stecken, in der wir permanent diskutieren, verbalisieren und analysieren, in der wir „oversext and underfuckt“ sind, werden Worte enden und unsere Körper wieder in Ausnahmezustände versetzt werden. Wie es bereits Kinder machen und besser wissen: sich im Kreis drehen, beschleunigen, tanzen, bis uns der Schwindel überfällt. Versuchen Sie es einmal selbst!
Marie Milbacher
- 9. Juni, 19.30 Uhr
- 8. Juni, 19.30 Uhr
- 20. Mai, 19.30 Uhr
- 19. Mai, 19.30 Uhr
- 30. April, 19.30 Uhr
- 29. April, 19.30 Uhr
- 15. März, 19.30 Uhr
- 14. März, 19.30 Uhr
- 17. Februar, 19.30 Uhr
- 16. Februar, 19.30 Uhr
- 21. Dezember, 19.30 Uhr
- 20. Dezember, 19.30 Uhr
- 8. November, 19.30 Uhr
- 2. Juli, 19.30 Uhr
- 1. Juli, 19.30 Uhr
- 30. Juni, 19.30 Uhr
- 29. Juni, 19.30 Uhr
- 3. Juni, 19.30 Uhr
- 1. Juni, 19.30 Uhr
- 23. Mai, 19.30 Uhr
- 22. Mai, 19.30 Uhr
- 12. Mai, 19.30 Uhr
- 11. Mai, 19.30 Uhr
- 10. Mai, 19.30 Uhr
- 19. April, 19.30 Uhr
- 18. April, 19.30 Uhr
- 17. April, 19.30 Uhr
- 15. April, 19.30 Uhr
- 14. April, 19.30 Uhr
- 12. April, 19.30 Uhr














