Konzert: Roedelius Schneider
Joachim Roedelius kam in den späten 60er Jahren nach Düsseldorf, wo er mit der Gruppe Kluster (später Cluster) im Umfeld von Kunstakademie und Kunsthalle eine elektronische Musik entwarf, die bis heute als stilprägend betrachtet wird. In den 70er Jahren waren es seine Zusammenarbeiten mit Brian Eno, die David Bowies Berlin Alben Low und Heroes ihre elektronische Seite liehen. Bis heute hat Roedelius weiter an seinen Klangvorstellungen gearbeitet und dies durch zahlreiche aktuelle Produktionen oder eine ausverkaufte USA Tournee im letzten Herbst belegt. Stefan Schneider hat mit den Bands Kreidler und to rococo rot in den 90ern einen Sound entworfen, der u.a. in Japan, England und den USA zunächst als eigenständige Verbindung zu Cluster gehört wurde. Im Herbst 2009 begannen Joachim Roedelius und Stefan Schneider mit ihrer ersten gemeinsamen Arbeit aus der das Album Stunden entstand und das im November 2011 veröffentlicht wurde.
Sinnlichkeit mag man auch Roedelius Schneider attestieren, jedenfalls gemäß des Umstands, dass man auf Stunden (Bureau B) registriert: Der wohlklingende Dreiklang der mittlerweile 77-jährigen Elektroniklegende Hans-Joachim Roedelius (Harmonia, Cluster) korrespondiert aufs Angenehmste mit den subtilen Entwürfen, durch die sich Stefan Schneider (Mapstation) schon immer bewährt hat. Stunden ist das Ergebnis von zweien, bei denen die Chemie stimmt, die einfach mal was ausprobieren wollten, komme heraus, was wolle. In wenigen Aufnahmesessions entstanden Stücke, deren stille Grundierungen stets etwas Geheimnisvolles, Irrationales, etwas räumlich Entrücktes haben. Eine filigrane Angelegenheit von hohem technischen Können, gefühlvoll und mehr als einmal sowohl analog althergebracht als auch digital auf dem aktuellsten Stand: sehr, sehr romantisch. Spex, Januar/Februar 2012
Two generations of German experimentalists – Hans-Joachim Roedelius of 1970s krautrockers Cluster and Harmonia and Stefan Schneider of modern post-rockers To Rococo Rot – collaborate on an album of ambient instrumentals. Roedelius’s minimalist piano-playing is decorated with twinkling electronics, slow-motion guitar strums and serpentine synth patterns: the effect is low-key, but mesmerising. Financial Times (UK), 23.10.11
Die höhere Luftigkeit, der sparsame Ton, das Verhalten von Musik im Raum, das Verhalten von Musik als Raum, die wiederholte Wiederholungwiederholungwiederholung – aus so was werden seit vierzig Jahren Platten gemacht: nach Plan, mit dem Kopf, besonders in Deutschland. Komisch nur, dass diese Musik, von Kraftwerk mal abgesehen, eigentlich immer etwas für Spezialisten geblieben ist, auch wenn sich alle möglichen Popmusiker aus dem Rest der Welt (als Letztes Coldplay, am notorischsten Radiohead) ständig auf Krautrocktraditionen berufen. Seit einiger Zeit wird das Erbe auch in Deutschland gepflegt, neue Editionen alter Platten von Neu! oder Harmonia oder Popol Vuh erscheinen. Das ist schön und gut und fleißig, interessanter wird es aber erst wie jetzt bei Roedelius Schneider – wenn einer, der damals schon dabei war, Hans-Joachim Roedelius (Cluster, Harmonia), mit einem von heute, Stefan Schneider (Kreidler, To Rococo Rot), ins Studio geht. „Stunden“ (Bureau B) heißt die Platte, ein idealer Titel, weil hier etwas nach und nach verstreicht, ein Eindruck, eine Erinnerung, ein Geschmack, eine Landschaft. Auf Dauer geht es dann aber vielleicht etwas zu sehr ins Graue. FAS, 24.12.11
Mit der Idee einer «musique d’ameublement» stellte Erik Satie das traditionelle musikalische Denken in Frage. Der Komponist aus dem Umkreis der Dadaisten, träumte von einer Umgebungsmusik aus dekorativen Klängen. Es dauerte Jahrzehnte, bis Saties Gedanken dank Brian Eno weitere Kreise zogen und heute in der elektronischen Musik ihr ideales Medium gefunden haben. Joachim Roedelius, der Elektronik-Veteran der Gruppe Cluster, und Stefan Schneider, der Bassist bei To Rococo Rot, erweisen sich auf ihrer ersten gemeinsamen Einspielung als gelehrige Schüler Saties. Mit leichter Hand entwerfen sie ein Dutzend Stücke, die wie hingetupft erscheinen. Einfache Tonreihen werden wiederholt, variiert und klanglich verfärbt, bis sich aus ihnen eine kleine Melodie herausschält, die trotz ihrer Beiläufigkeit selten ohne Charme ist. Kaum hat man sie bewusst wahrgenommen, ist sie auch schon wieder verflogen. Diese Musik macht kein großes Aufhebens um sich, ist zurückhaltend, ja dezent. Sie trumpft selten auf, sondern übt sich in Diskretion. Auf elektronische Beats wird gänzlich verzichtet. Neben Piano, Gitarre, Synthesizer und Bass ist das Echogerät das wichtigste Instrument der beiden. Langer Nachhall gibt den Noten eine epische Weite. Töne werden langgezogen und gedehnt, oder aufgeblasen wie Luftballons, die dann fast schwerelos durch den Raum schweben. NZZ, 16.12.11
Die Besten Alben des Jahres: Roedelius/Schneider Stunden (Bureau B) - Behutsames Zusammenspiel zweier Männer, die einander zuhören können. Hans-Joachim Roedelius' Klavierminiaturen treffen auf Stefan Schneiders (Kreidler, To Rococo Rot) sanfte Synthesizer-Linien. Ein Album voller Momente der Ruhe und schützender Winkel. Darüber hinaus eines der schönsten Plattencover des Jahres. Die Zeit, 12.12.11
"Kraftwerk mag ich nicht" - Hans-Joachim Roedelius ist eine einzigartige Erscheinung in der deutschen Musikgeschichte. Er begründete die Musikrichtung Krautrock. Er gehörte den Bands Cluster und Harmonia an und gilt als Pionier der elektronischen Musik. - Interview mit Hans-Joachim Roedelius
Rheinische Post, 9.2.12
- 12. Februar, 19.30 Uhr


