Gebrochen Deutsch

Monatliche Talkreihe mit Staffan Valdemar Holm

Kurzinhalt
Düsseldorf ist ein offene und internationale Stadt. In der monatlichen Gesprächsreihe lädt Intendant Staffan Valdemar Holm, selbst schwedischer Neudüsseldorfer, jeweils vier bis fünf Überraschungsgäste unterschiedlichster Herkunft und Profession zum Austausch ein: Was bedeutet es, in Düsseldorf zu leben? Wie verändert die Stadt den Gast, Besucher oder Bewohner, und wie verändern Gäste, Besucher oder Bewohner die Stadt?

Inhalt

Fu-Kung Shen, Taiwan
Ingenieur

Nadia Einmahl, Algerien/Frankreich
Rentnerin

Matthew Owusu-Manu, Ghana
Priester

Arina Gavrilova, Russland
Studentin und Regiehospitantin

Staffan Valdemar Holm, Schweden
Moderator, Intendant und Regisseur


"Dass Düsseldorf eine internationale Stadt ist, wird oft betont und erschließt sich schon bei einem Kurzbesuch. Wenn man vom Hauptbahnhof über die Kloster- und Immermannstraße in Richtung Oberkassel (oder war es Niederkassel?) geht, sticht die Anwesenheit der bedeutenden japanischen Gemeinde gleich ins Auge. Auch sonst sind hier viele Menschen unterschiedlicher Herkunft unterwegs. Und es werden in Zukunft noch mehr Menschen, die in anderen Ländern geboren wurden oder einen anderen Migrationshintergrund haben, in Düsseldorf eine neue Heimat suchen.

Jeder einzelne dieser Menschen ist Grund dafür, dass sich das Düsseldorfer Schauspielhaus in den nächsten Jahren zunehmend für Künstler und auch Zuschauer aus allen Teilen der Welt öffnen wird. Den Grundstein für die Kontaktaufnahme mit dem restlichen Teil des «blauen Planeten» werden wir vor Ort legen. Den Blick von Düsseldorf aus in die Ferne gerichtet, dabei nicht vergessend, dass die ganze Welt schon in unserer Nachbarschaft, vielleicht sogar in unserem eigenen Haus ist.

Einmal im Monat möchte ich Menschen verschiedener Nationalitäten, jeden Alters und mit den unterschiedlichsten Berufen zu mir auf die Bühne einladen. Vor dem Hintergrund, dass wir alle Ausländer sind, wollen wir gemeinsam versuchen, mehr über Düsseldorf und die Gründe, die uns hierher verschlagen haben, herauszufinden.

Niemand auf der Bühne, mich eingeschlossen, wird in der Lage sein, perfektes Hochdeutsch oder Düsseldorfer Platt zu sprechen – egal, ob es sich bei diesen Personen um Schüler, Geschäftsleute, Imame, Kellnerinnen, Theaterdirektoren, Taxifahrer oder Fußballprofis handelt. Es soll keine Podiumsdiskussion werden, sondern eine andere, dem Theater verwandte Form des Austauschs, der dem Zuschauer auch die Möglichkeit bieten soll, mitzudiskutieren, selbst wenn es dabei nur um Fragen der richtigen Aussprache und Grammatik gehen sollte."

Staffan Valdemar Holm


Bisherige Gäste

17. April 2012: Guiseppe Fusco, Italien (Geschäftsführer der Restaurantkette Rossini), Feri Ahmadi, Iran (Hausfrau), Seddik Gasmi, Tunesien (TaxiRapper), Ingela Scheer-Hennings, Schweden (Rechtsanwältin)

23. Februar 2012: Judith Maria Kleintjes, Niederlande (Künstlerin), Kamal Bhardwaj, Indien (3D-Spiele-Designer), Ana Vasić, Kroatien (Köchin), Jakob, Polen (politischer Aktivist)

23. Januar 2012: Vom Ritchie, Großbritannien (Schlagzeuger Die Toten Hosen), Kyoko Jastram, Japan (Musik-Lehrerin), Fiorella Falero Ramirez de Entner, Peru (Studentin), Iraj Farzi Kahkash, Iran (Büdchen-Inhaber)

17. November 2011: Jeffrey Tomlinson, Kanada (Trainer DEG Metro Stars), Morgan Nardi, Italien (Tänzer), Snježana Faclamm, Bosnien (Taxifahrerin), Lika Chkhutiashvili, Georgien (Kostümassistentin)

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Pressestimmen
Im Düsseldorfer Schauspielhaus treffen sich allmonatlich neu Zugezogene zum Gespräch über die Stadt. Derart ungezwungene Liebeserklärungen hat sie lange nicht mehr vernommen. Seit ein paar Wochen erst ist er Generalintendant des Düsseldorfer Schauspielhauses und fühlt sich in der, wie er sagt, „bürgerlichen, provinziellen, netten Stadt“ nicht angekommen. Aber geht es Staffan Valdemar Holm da nicht wie vielen, die schon länger hier leben, auch fremd sind oder es einmal waren? Und wie sehen und erleben sie die Stadt, die, von außen schnell nur mit der Königsallee und dem Karneval identifiziert, als neureich und dünkelhaft abgestempelt wird? „Gebrochenes Deutsch“ wird dabei gesprochen, und auch wenn dieser Titel zum Auftakt immer wieder kokett zu funkeln begann, passte er doch, da hier, öfter mal nach der passenden Formulierung suchend, keine seichte Talkshow-Routine rundlief. Die ersten Lektionen hat Holm bereits gelernt, ein Bild der „Schlacht bei Worringen“ anno 1288, in deren Folge Düsseldorf Stadtrechte erhielt, hatte er als Prospekt aufhängen, den „Düsseldorf-Song“ der „Toten Hosen“ als Ouvertüre losdonnern lassen, doch seine Gäste ließen sich davon nicht verschrecken. Unbeeindruckt von Möchtegern-Mondänität und Schickimicki-Schmähungen, zeichneten sie sehr persönliche Bilder der Stadt und machten nicht einmal um das große Wort „Heimat“ einen Bogen. Derart ungezwungene Liebeserklärungen hat Düsseldorf lange nicht mehr vernommen, und als Holm nach dem Lieblingsort fragt, wird noch etwas mehr daraus. Die Taxifahrerin aus Sarajevo findet ihn „überall am Rhein“, der Eishockeytrainer aus Winnipeg „am Hafen“, der Tänzer aus Ancona gerät über den „wunderschönen Park“ von Schloss Benrath ins Schwärmen, und die Kostümbildnerin aus Tiflis macht die nächtliche Uferfront von Oberkassel als „Märchenseite der Stadt“ aus. Gerade mal eine Inszenierung hat Holm bisher gezeigt und doch den Düsseldorfern mit einer kleinen, uneitlen und sympathisch holprigen Abendunterhaltung bereits nahegebracht, ihre Stadt mit anderen Augen zu sehen. FAZ, 19.11.11

„Wir sind hier, weil wir hier sein müssen, aber warum wollen wir bleiben?“, fragt Holm in die Runde. Ein bisschen ist es deshalb auch eine persönliche Vorstellung des aus Schweden stammenden Generalintendanten. Holm sei noch auf der Suche nach dem „Zuhause-Gefühl“, obwohl er „nicht so schöne Städte interessant“ findet. Das Publikum nimmt ihm das nicht übel. Stattdessen lauschen sie den witzigen und manchmal traurigen Anekdoten über „die schönste Stadt am Rhein“. „Wie war denn dein erster Tag hier, Staffan“, will ein Mann aus dem Publikum wissen. Holm erinnert sich – daran, wie ihm vorgeschwärmt wurde, Düsseldorf sei die Modestadt. Ernüchternd war sein erster Tag, als er am grauen Hauptbahnhof ankam: „Also, das habe ich nicht ganz verstanden“, sagt er. Es scheint, als würden sich die Menschen auf der Bühne lange kennen. Und schnell entsteht der Wunsch, selbst ein Teil der Runde zu sein. Auch wenn Holms Gäste nur an der Oberfläche kratzen, so tun sie dies überaus charmant. Phrasen, wie sie in einigen TV-Talkshows über Migranten in Deutschland Programm sind, bleiben aus. Es entsteht ein ungewohnt persönlicher und vor allem kurzweiliger Abend. WZ, 19.11.11

Gebrochen bedeutet gewöhnlich fehlerhaft und kaputt – bei dieser Veranstaltung wird deutlich, dass die Brechung der Sprache, ähnlich der Brechung des Lichtes durch ein Prisma, eine neue Qualität sichtbar machen kann. Einmal monatlich findet die Talkrunde statt, und es bleibt zu wünschen, dass die Reihe lange fortgesetzt wird. Die ruhige Gesprächsführung von Holm und die spannenden Beiträge der Gäste bieten Gelegenheit, das Theater von einer ganz neuen Seite kennenzulernen. RP, 25.02.12


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Daten Archiv
  • 17. April, 19.30 Uhr
  • 23. Februar, 19.30 Uhr
  • 23. Januar, 19.30 Uhr
  • 17. November, 19.30 Uhr