Enthusiasm I

Die Politik ist Kunst - Dziga Vertov mit Kammerflimmer Kollektief

Eine Cut-up Reihe kuratiert von Kevin Rittberger, Stefan Schneider und Ludwig Haugk


Besetzung / Team
Mit
Kurzinhalt
Die Enthusiasm-Reihe ist ein Echoraum für künstlerische und politische Avantgarden. Enthusiasm ist das Theater oder nicht.

Inhalt

Wenn Politik nicht die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln sein will, dann muss sie künstlerisch gedacht werden: als etwas, das die Wirklichkeit unmöglich macht. Die neue Reihe Enthusiasm versucht einmal im Monat einen Raum für Zusammenhänge zwischen Theorie und Kunst zu öffnen. In der politischen und künstlerischen Geschichte der letzten hundert Jahre entstanden enthusiastische Momente immer da, wo synästhetisch gedacht wurde: im experimentellen Film, im Lehrstück, in der Fluxusbewegung, in der elektro-
nischen Musik. In der Enthusiasm-Reihe, werden diese Avantgarden mit zeitgenössischen Enthusiasten in Kontakt gebracht.

Die erste Folge zeigt die Filme Enthusiasm und Ein Sechstel der Erde von Dziga Vertov aus dem Jahr 1931 – dokumentarische Beschreibungen einer sozialistischen Wirklichkeit, die Utopie geblieben ist. Das Karlsruher Trio Kammerflimmer Kollektief wird die Filme neu bearbeiten und live vertonen. Seit 1996 erforschen Kammerflimmer Kollektief die psychedelische Vernetzung von improvisierter und intuitiver Musik, mithin von Freiheit und Sound. Gerahmt wird der Abend von Lesungen und Diskussion über die Kunst als Sprache der Veränderung und die Veränderung der Sprache der Kunst.

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Pressestimmen
In der Straßenbahn fuhren am Samstagmittag noch die Jugendlichen mit ihren Guy Fawkes-Masken. Beim Aussteigen riefen sie laut: „Kein ACTA!“ Am Abend ist die Bahn nicht weniger voll. Man steht eng an eng, denn keiner will sich neben den vor sich hin lallenden Trinker setzten. Auf dem Sitz hockt bereits sein Weggefährte und einziger Gesprächspartner: eine alte Plastiktüte vom REWE. An der Heinrich-Heine-Allee lichtet sich das Gedränge. Man will in der nahen Altstadt feiern. Das Kleine Haus des Düsseldorfer Schauspielhaus ist gut besucht. Rund 120 Gäste füllen den Saal, während die anderen Theaterfreunde Hamlet beim Grübeln zuschauen. ... „Enthusiasm I“ ist ein sehr ambitioniertes Projekt, in dem die Organisatoren das Theater als Informations- und Diskursplattform zu Fragen unserer Zeit zugänglich machen. Täglich geschehen Revolutionen, im Großen und im Kleinen und mal mehr oder weniger beachtet. Was ist die treibende Kraft dahinter? Die Suche nach Erklärungen ist vielleicht zu harter Tobak für einen Samstagabend und nicht jeder Gast blieb bis zum Schluss. Für Bewegung im Speck sorgte „Enthusiasm I“ in jedem Fall. www.coolibri.de, 27.2.12

Eine junge Frau setzt sich Kopfhörer auf und lauscht. Ihr schwarz-weißes Filmportrait flimmert über eine Leinwand auf der kleinen Bühne im Düsseldorfer Schauspielhaus. Der russische Regisseur Dziga Vertov lässt seinen ersten Tonfilm 1930 mit Bildern beginnen, die das Verhältnis von Ton und Bild thematisieren. Unten im Halbdunkel sitzen drei Musiker der Gruppe Kammerflimmer Kollektief und vertonen den Film neu und live mit ihren Instrumenten. Aber hier entsteht eine tranceartige Distanz, kein wüster Rausch. Die Klänge legen sich übereinander - was zu Vertovs Überblendungen passt, auch zu seinen kaleidoskopartigen Bildexperimenten. In Düsseldorf geht es an dem Abend nun darum, die Energie aufzugreifen, aber auch den zeitlichen, ideologischen und künstlerischen Abstand mitzudenken. Dinge im Kollektiv zu gestalten, jedem aber seine Souveränität zu lassen. Die Musik orientiert sich dabei (wie Vertov auch) an Originalsounds, an Collage und Montage. DRadio, Corso, 27.2.12

Es gab sie zuhauf, die enthusiastischen Momente, als am Samstagabend der erste Teil von Enthusiasm den Auftakt zu einer neuen Reihe machte. Doch es gab auch andere Momente: Das Publikum wurde gefordert, verstört und überfordert. Keine leichte Kost, die die etablierte Düsseldorfer Avantgarde um Stefan Schneider, Kevin Rittberger und Ludwig Haugk von nun an monatlich auf die Bühne bringen. Die Idee: Die Werke und Leistungen früherer Freidenker werden von Künstlern auf irrtierende Art und Weise auf die Bühne gebracht, um ihre Strahlkraft im Hier und Jetzt aufzuzeigen, ein Dialog zwischen Publikum und Kreativen soll sich anschliessen ... Das ist nicht nur Kunst, das ist politisch. Da ist die Sehnsucht nach einem anderen System, der Traum vom Kommunismus, dem Reich Gottes, einer Utopie. Ein Abend, über den man sich Gedanken machen muss. WZ, 27.2.12

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Daten Archiv
  • 25. Februar, 19.30 Uhr