Ein Jahr nach Fukushima

Zwei Vorträge von japanischen Theatermachern

Inhalt

What can we say?
Vortrag von Chiaki Soma, Festivalleiterin
In japanischer Sprache, mit Übersetzung ins Deutsche

Chiaki Soma gründete 2009 mit dem Festival/Tokyo (F/T) das größte zeitgenössische Theaterfestival in Japan und ist dessen Programmdirektorin. Nach der dreifachen Katastrophe vom 11. März 2011 – Erdbeben, Tsunami und Kernschmelze – änderte sie das Thema ihres vierten Festivals, das sechs Monate später stattfand, auf die Frage: „What can we say?“. Sie beauftragte japanische Theatermacher mit Arbeiten, in denen diese sich mit der neuen Realität beschäftigten. Chiaki Soma wird ihre Überlegungen für diese Entscheidung erläutern und die entstandenen Projekte vorstellen: „Wenn die Realität zu schrecklich wird, um sie zu kommentieren, wenn sie selbst den Grad von Fiktion überschritten hat, kann dann ‚Theater’ eine gültige Form der Darstellung und des Ausdrucks sein? Wenn ja, auf welche Weise? Welche Rolle kann Theater in einer Gemeinschaft, die sich in einem Ausnahmezustand befindet, einnehmen?“


Referendum Project
Vortrag von Akira Takayama, Theatermacher
In deutscher Sprache

Akira Takayama, Jahrgang 1969, ist ein Künstler, dessen Lebenserfahrung vom Platzen der „Bubble Economy“ in den 90er Jahren geprägt ist. In seinen Arbeiten, die er immer an ungewöhnlichen Orten stattfinden lässt, greift er Themen auf, die in schmerzhafte und von der japanischen Gesellschaft tabuisierte Zonen vordringen, wie die Beteiligung am Zweiten Weltkrieg, Wohlstandsverlust und Sozialabstieg der jungen Generation. Vor dem Hintergrund, dass in Japan noch nie ein Volksentscheid stattgefunden hat, initiierte er im Herbst 2011 das „Referendum Project“, produziert vom Tokyo/Festival. Dafür tourte er unter anderem mit einem LKW durch Tokyo und nach Fukushima, in dessen Inneren die Besucher Interviews mit Kindern aus Fukushima ansehen konnten, und aufgefordert wurden, selbst Stellung zu beziehen. In seinem Vortrag wird Akira Takayama über seine sehr spezifische Theaterarbeit sprechen, die sich den Traumata widmet, die der 11. März in der japanischen Gesellschaft hinterlassen hat.

nach oben

Nachtcafé
    Daten Archiv
    • 5. März, 19.30 Uhr