Delhi, ein Tanz
Aus dem Russischen von Stefan Schmidtke
Deutschsprachige Erstaufführung
Dauer: 2 Stunden, 30 Minuten - keine Pause
- Stefanie Reinsperger / Ekaterina
- Bettina Kerl / Frau
- Verena Reichhardt / Alina Pawlowna
- Marian Kindermann / Andrej
- Stefanie Rösner / Krankenschwester
- Annika Olbrich / Olga
- Evi Bauer
- Katharina Kownatzki
- Tarun Kade
Sieben Mal trifft die gleiche Gruppe von Menschen in Iwan Wyrypajews neuestem Theaterstück aufeinander. Jedes Mal im Besucherzimmer eines Krankenhauses, jedes Mal ist eine Person von ihnen gestorben, jedes Mal geht es um den Tanz. Um den Tanz mit dem Namen „Delhi“, den die junge Tänzerin Ekaterina nach einem Gastspiel mit ihrem Theater in Indien geschaffen hat. In einer Auflösung aller Grenzen verwandelt der Tanz „Delhi“ Elend und Leid in Freude und Glück. Doch tut er das wirklich? Oder erklärt sie den Wunsch zur Wirklichkeit, wie Ekaterinas krebskranke Mutter ihr vorwirft. Kostet ihr Glück mit ihrem Geliebten Andrej nicht auch dessen Familie das Glück? Oder tragen wir nur die Verantwortung für unser eigenes Leben? In der verschobenen Zeitlichkeit eines Ortes, an dem der Tod immer in der Luft schwebt, kreisen die Gespräche der sich gleichermaßen bekannten und fremden Menschen um existenzielle Themen: um Mitgefühl, Schuld und Liebe. Und immer wieder kehren sie zum Tanz zurück, einem Ereignis von so großer Kraft, dass selbst der Tanzkritikerin Lera die Worte fehlen, ihn zu beschreiben. Wir sind Tänzer, wir sind Tanz, wir sind das Ende des Tanzes.
Iwan Wyrypajew, geboren 1974 in Irkutsk, ist einer der wichtigsten zeitgenössischen Dramatiker Russlands. Er arbeitet in Moskau mit der Künstlergruppe Bewegung Sauerstoff sowohl als Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor zusammen. Seine Inszenierungen, Filme und Theatertexte wurden mehrfach zu internationalen Festivals eingeladen, seine Stücke Sauerstoff, Juli und Genesis Nr.2 von zahlreichen Bühnen in Europa gespielt.
In sieben Kurzgeschichten gehen sechs Menschen miteinander um, in Liebe und Gleichgültigkeit, in Bitterkeit und mit Schuldzuweisungen. Gefühls-Qualifizierung im Theater ist das. Der Tod trifft immer wieder andere. Zu Beginn ertönen oft Musikfetzen, am Ende gibt es Applaus aus der Regie. Regisseur Felix Rothenhäuser arbeitet wie ein Choreograf, hält die Menschen auf Distanz. Sie schauen sich kaum an, dann aber verknäueln sie sich ineinander wie Tänzer beim modernen Pas de deux. Und sie küssen sich. Diese zweieinhalb Stunden sind gewonnene Theaterzeit. Am Ende lautet die Botschaft: Wo die Sprache versagt, beginnt die Kunst. Das Bild vom Baum klingt lange nach. RP, 19.3.2012
Die Emotionen haben in Felix Rothenhäuslers Regie des Abends häufig keinen Aufbau. Sie sind ausgestellte Nummern, fangen plötzlich an, reißen abrupt ab. In ihrer körperlichen Umsetzung des Textes erinnert die Inszenierung an Tanztheater. Verena Reichhardt, sonst als Ekaterinas Mutter resigniert vor sich hinnickend und gefrustet an der Lippe kauend, hält auf einmal zusammen mit der Tochter die Arme seitlich ausgestreckt, als ob sie fliegen wollte. Bettina Kerl steht als Tanzkritikerin schief und verkrampft da, schiebt beim Emphase-Monolog über die Schönheit des Tanzes abrupt eine Hand am Körper vor und zurück und vollführt doch selbst nur ein Tänzchen. Am Ende des zweieinhalb Stunden langen, pausenlosen und doch nicht an Spannung verlierenden Abends liegt nach einem superrealistischen Weinkrampf Annika Olbrich als Olga in den Armen der Krankenschwester (Stefanie Rösner) und schläft. "Wir sind wieder in die Tiefe unseres Traums hinabgestiegen. Den einzigen Traum für uns alle. Ja, und das war es. Das war der ganze Tanz." www.nachtkritik.de, 17.3.2012
Als Ekaterina muss Stefanie Reinsperger ein billiges türkisfarbenes Kleidchen tragen. In ihrer athletischen Molligkeit stellt sie einen Antityp der Tänzerin dar, tanzen wird sie nicht. Doch sie beschert uns Theatermomente mit tief empfundener Dringlichkeit, zart, innig, überdeutlich. Zentral ist die Liebe zwischen ihr und Andrej (sich steigernd im Auschwitz-Schrei: Marian Kindermann), der eigentlich seine Frau Olga (Annika Olbrich) liebt. Dass die Mutter Ekaterina nicht liebt, lässt Verena Reichhardt boshaft und mit schnarrender Stimme heraushängen. Stefanie Rösner ist die akkurate Formalistin in der Kluft einer korrupten Krankenschwester. Die Frau ohne Namen gewinnt Profil durch Bettina Kerl. RP, 19.3.2012
- Premiere
16. März, 19.30 Uhr
- 9. Juni, 19.30 Uhr
- 22. Juni, 19.30 Uhr
- 27. Juni, 19.30 Uhr
- 18. Mai, 19.30 Uhr
- 15. Mai, 19.30 Uhr
- 11. Mai, 19.30 Uhr
- 6. Mai, 19.30 Uhr
- 29. April, 19.30 Uhr
- 21. April, 19.30 Uhr
- 16. April, 19.30 Uhr
- 8. April, 19.30 Uhr
- 7. April, 19.30 Uhr
- 25. März, 19.30 Uhr
- 23. März, 19.30 Uhr
- 18. März, 19.30 Uhr
- 16. März, 19.30 Uhr








