Büchner
Uraufführung
Dauer: 1 Stunde, 45 Minuten - keine Pause
- Falk Richter / Text und Regie
- Martin Rottenkolber
- Ben Frost / Komposition
- Paul Corley / Mitarbeit Komposition
- Izaskun Abrego Olano / Choreografische Beratung
- Daniel Richter
- Hans-Thies Lehmann / Wissenschaftliche Beratung

Wer schreibt heute den hessischen Landboten? Droht das Wutklima in eine Revolution umzuschlagen? Ist die Zeit reif für einen Systemausstieg?
Wir müssten uns die Schädeldecken aufbrechen und die Gedanken einander aus den Hirnfasern zerren.
Georg Büchner, Dantons Tod
Nach nur 23 Jahren fand Georg Büchners Leben ein vorzeitiges Ende. Als hätte er seinen frühen Tod vorausgeahnt, schrieb der Naturwissenschaftler, Revolutionär und Dichter wie ein Getriebener gegen die Gespenster der eigenen Zeit an. Einer Zeit, die unter den Vorzeichen der bleischweren deutschen Restauration, dem Überwachungsstaat des Metternichschen Systems und den Vorboten der Industrialisierung stand. Büchners literarische Produktivität ist kaum zu übertreffen, von seinem politischen Engagement ganz zu schweigen. Allein in seinen letzten Lebensjahren schrieb er nahezu sein gesamtes dichterisches Werk in einem atemlosen Rauschzustand nieder. Seine fragmentarischen Texte verbinden sich dadurch zu einer naturwissenschaftlichen, politischen und poetischen Polyphonie eines Denkfeldes.
Mit weit aufgerissenen Augen blickte Büchner
in den Abgrund einer entfremdeten Welt, die gleich einer beharrlich rotierenden Maschine den Menschen seines Lebens enteignete. Wie Störungen im System schlägt sich sein Unbehagen in seinen Schriften nieder. Intoniert das Revolutionsdrama Dantons Tod einen mehrstimmigen Abgesang auf die soziale Revolution, entlädt sich zeitgleich seine Kampfschrift Der Hessische Landbote als wütender Sturmlauf gegen ein übermächtiges Unrechtssystem, was Büchner Verfolgung und Flucht einbrachte. Im Woyzeck brach er das Schweigen der Verlierer des sozialen Systems und legte schonungslos die Zwangsmechanismen der Leistungsgesellschaft offen. Büchners fremdartigster und wohl poetischster Text Lenz setzt mit seinen sprachmächtigen Bildwelten einen Endpunkt seiner Wut-Dichtung, als Ausstieg aus dem unüberschaubaren Weltzusammenhang und als Abtauchen in die kreativen Welten des Selbst.
Der Regisseur und Autor Falk Richter verdichtet Georg Büchners Werk zu einem mehrstimmigen Textkörper, der als Tour de Force den physischen und psychischen Zuständen der Angst, des Widerstands, der Verschmelzung, Wut und Ausbeutung in Büchners Werk nachspürt. Bruchstücke aus dem Werk des Dichters verwebt Falk Richter mit dem Sound von Ben Frost und eigenen Texten, die Werk und Dichter in einen weltpolitischen, ökonomischen und künstlerischen Gesamtzusammenhang stellen und nach dessen Verortung in unsere Zeit fragen.
Dem Düsseldorfer Hausregisseur Falk Richter war der «Woyzeck» allein zu wenig. Das weltweit am häufigsten gespielte deutsche Stück ist nur ein Teil seines kraftvollen Projekts namens «Büchner», mit dem er den revolutionären Geist geschickt in die Gegenwart holt, und der dem Publikum bei der bejubelten Uraufführung wie ein Sturm ins Gesicht bläst. WZ, 22.10.12
Die propagierten Analogien zwischen Büchner und der Bundesrepublik von heute sind gewitzt, auch überspitzt bis ins Kabarett – aber vor allem der Versuch, sich mit Literatur einen Reim zu machen auf den Lauf der Dinge. SZ, 26.10.12
Das Tempo, mit dem die sieben großartigen Schauspieler durch den Abend hetzen, ist atemberaubend. Auf der sich ständig drehenden Bühne durchmessen sie die Zeit von damals bis heute, beginnen mit Büchners «Lenz», springen in den «Woyzeck», erfassen mit Passagen von Richter selbst die Diktatur der Märkte und sehnen sich mit Heiner-Müller-Zitaten nach der Lücke im Ablauf, nach dem Stillstand. WZ, 22.10.12
Die Abende von Falk Richter langweilen nicht. Dazu macht der Hausregisseur des Düsseldorfer Schauspielhauses auch bei seiner neuen «Büchner»-Collage zu viel gutes Tempo, dazu wechseln Doppelboden-Monologe und Kabarett-Einlagen, großartige Überwältigungs-Bühnenbilder und die allzu stimmige Musik zu munter, als dass in den gut 90 Minuten schlechte Stimmung aufkommen könnte. NRZ, 22.10.12
- Premiere
20. Oktober, 19.30 Uhr
- 20. Juni, 19.30 Uhr
- 23. Mai, 19.30 Uhr
- 5. April, 19.30 Uhr
- 9. März, 19.30 Uhr
- 5. März, 19.30 Uhr
- 28. Februar, 19.30 Uhr
- 14. Februar, 19.30 Uhr
- 28. Januar, 19.30 Uhr
- 4. Januar, 19.30 Uhr
- 22. Dezember, 19.30 Uhr
- 19. Dezember, 19.30 Uhr
- 16. Dezember, 19.30 Uhr
- 7. Dezember, 19.30 Uhr
- 1. Dezember, 19.30 Uhr
- 23. November, 19.30 Uhr
- 22. November, 19.30 Uhr
- 9. November, 19.30 Uhr
- 4. November, 18.00 Uhr
- 1. November, 19.30 Uhr
- 31. Oktober, 19.30 Uhr
- 22. Oktober, 19.30 Uhr
- 20. Oktober, 19.30 Uhr
- 18. Oktober, 19.30 Uhr

















