Karte und Gebiet
Aus dem Französischen von Uli Wittmann / Für die Bühne bearbeitet von Falk Richter
Repertoire, Deutschsprachige Erstaufführung
Dauer: 2 Stunden, 30 Minuten - 1 Pause
- Moritz Führmann / Erzähler / Franz Teller, Galerist / Frédéric Beigbeder, Schriftsteller / Literaturkritiker / Kommissar Ferber
- Olaf Johannessen / Michel Houellebecq, Schriftsteller) / Kommissar Jasselin
- Christoph Luser / Jed Martin, Künstler / Messier, junger Kriminalbeamter
- Karin Pfammatter / Erzählerin / Olga Sheremoyova, Kommunikation Michelin France / Literaturkritikerin / Marylin, Presseagentin / Spurensichererin / Teresa Cremisi, Verlegerin / Aurélie, Kriminalbeamtin / Sterbehilfeärztin
- Werner Rehm / Jean-Pierre Martin, Jeds Vater / Literaturkritiker / Spurensicherer / Alter Kommissar / Kriminalobermeister Lorrain
- Malte Beckenbach / Musiker / Junger Polizist
Karte und Gebiet ist eingeladen zu den Autorentheatertagen am DT in Berlin und zum NRW Theatertreffen 2012 in Oberhausen.
Michel Houellebecq hat einen neuen Roman geschrieben, der die literarische Welt überrascht hat, denn er ist unaufdringlich, reich an Formen und Themen, voller Moral und Humor. Die Presse jubelte: «Perfekt» (Die Zeit), «Ein großer Wurf» (Süddeutsche Zeitung). Karte und Gebiet spielt im Gestern, Heute und Morgen und handelt von der Bildenden Kunst und ihren Marktmechanismen, von Tod und Euthanasie, von Vätern und Söhnen, defekten Heizungen, Steve Jobs und der Arbeitswelt, von William Morris, der französischen Provinz und ihrer Wiederentdeckung, einer schönen Russin – sowie von Michel Houellebecq und dessen Hund. Letztere werden so zerstückelt aufgefunden, dass ihre sterblichen Reste in einen Kindersarg passen.
Regisseur und Autor Falk Richter geht es bei seiner Adaption nicht um Nacherzählung und Vollständigkeit, sondern um die atmosphärische Übertragung der Houellebecq’schen Welt-Analyse auf die Bühne – mit den Mitteln der Bühne.
Michel Houellebecq, 1958 auf La Réunion geboren, wuchs auf dem Land in Frankreich auf. Er arbeitete als Agraringenieur und Informatiker. Der Durchbruch als Schriftsteller gelang ihm mit Ausweitung der Kampfzone, später folgten Elementarteilchen und Plattform. Seine drastischen Schilderungen des asozialen, sexuell frustrierten Menschen brachten ihm das Label des Skandalautors ein.
Im "Kleinen Haus" des Düsseldorfer Schauspielhaus ist Jed Martins Staffelei eine Videowand: eine Produktions- wie Projektionsfläche für flüchtige Bilder, die sich immer wieder auflösen, überlagern und gegenseitig aushebeln. Damit hat der Dramatiker und Regisseur Falk Richter eine zwar naheliegende, aber absolut treffsichere Bühnen-Übersetzung für Michel Houellebecqs jüngsten Roman "Karte und Gebiet" gefunden. Schließlich spielt das als literarische Sensation gefeierte Buch, das im Frühjahr auf Deutsch erschien, virtuos mit der begehrten Ware "Authentizität". Jeder will das Echte, Unverfälschte in Houellebecqs raffiniertem Gesellschaftsporträt: Man feiert die alte Handwerkskunst, kauft regionale Produkte und möchte auch wohnorttechnisch zurück zur Natur. Dabei verfängt man sich freilich - wie sollte es in postmodernen Zeiten anders sein - in der Kopie der Kopie und sitzt einer Inszenierung nach der nächsten auf. Der Aufstieg des Houellebecq'schen Protagonisten Jed Martin ist dafür exemplarisch: Seine millionenschwere Künstler-Karriere beginnt mit einer Ausstellung abfotografierter Michelin-Straßenkarten unter dem Titel "Die Karte ist interessanter als das Gebiet". Den entscheidenden Schub bekommt Martins verheißungsvolle Laufbahn ausgerechnet von einem weltberühmten französischen Autor, der sich hinreißen lässt, ein 50-seitiges Katalogvorwort zu schreiben. Er heißt: Michel Houellebecq - und wird nach ein paar launigen philosophischen Gesprächen mit Jed Martin bestialisch ermordet. Kurz: Michel Houellebecq parodiert in seinem stoff- und ebenenreichen Roman nicht nur die Kunstszene und das Krimi-Genre. Sondern er spielt vor allem gewitzt mit der Inszenierung der eigenen Person, liefert gleichsam seine Autobiografie als Fake. Aufgrund dieses Inszenierungscharakters leuchtet die Dramatisierung von "Karte und Gebiet" spontan ein - im Gegensatz zu vielen anderen Romanadaptionen, die derzeit landauf, landab die Bühnen fluten. Und deshalb trifft es hier ausnahmsweise auch mal mit einem tieferen konzeptionellen Sinn zusammen, wenn der Regisseur sich die Mühe spart, den Erzähltext in eine ureigene dramatische Fassung zu übertragen. Richter, der sich mit dieser Arbeit als neuer Hausregisseur in Düsseldorf einführt, kann den distanzierten Erzählton beibehalten, weil er das Inszenierungsmotiv - die permanente Produktion von Kopien - kurzerhand zum ästhetischen Prinzip erhebt. www.spiegel.de, 17.10.2011
In dieser virtuosen Inszenierung wird viel und gut gesprochen - artikuliert, ausdrücklich, betont. Durch den Wechsel von indirekter und direkter Rede entsteht Distanz. Die Menschen berühren sich wenig, sehen sich kaum an. Und doch sind die Beziehungsfäden zwischen ihnen fein gesponnen. Wenn sie spielen, dann tun sie es bewegend und gut. Mit den Mitteln der modernen Kunst erhält die Inszenierung den passenden Rahmen. Rheinische Post, 18.10.2011
Christoph Luser, sozusagen ein naturintensiver Schauspieler, ist eine ideale Besetzung für Jed Martin. Er behält, auch im Moment des Erfolgs, auch im Moment der Liebe zu Olga, etwas Schleichendes, Gequältes, Widerwilliges. Er scheint sich immer herauswinden zu wollen, aus seinem Erfolg, seiner Kunst, seinem Leben. Luser spielt, wie Martin seine Kunst macht. Er behält etwas Vorläufiges, wie wenn er immer bereit sei, sich in seine innere Höhle zurückzuziehen. Er glaubt nicht, was geschieht. Und vielleicht ist genau das eine von Houellebecqs Wunschphantasien: Wenigstens im Roman erschafft er den wahren Künstler Michel Houellebecq, weil der es schafft, sich außerhalb des Kunstmarkts zu stellen. Houellebecq hat sich das ausgedacht, Luser verkörpert es. Das ist das Prinzip, dieser kleinen, schönen Aufführung, dieses spartanischen Videoerzähltheaters. Es ist, im allerbesten romantischen Sinn, die Vermischung von Kunst und Leben, die hier stattfindet. Die Schauspieler spielen ein Teil von sich und man soll und kann sehen, daß sie es tun. Das schafft Konzentration und Ernsthaftigkeit. Frankfurter Rundschau, 18.10.2011
Hammer-Premiere für den neuen Intendanten BILD, 18.10.2011
- Premiere
16. Oktober, 19.30 Uhr
- 24. Mai, 19.30 Uhr
- 25. Mai, 19.30 Uhr
- 5. Juni, 19.30 Uhr
- 30. Juni, 19.30 Uhr
- 10. Mai, 19.30 Uhr
- 5. Mai, 19.30 Uhr
- 2. April, 19.30 Uhr
- 1. April, 19.30 Uhr
- 29. März, 19.30 Uhr
- 20. März, 19.30 Uhr
- 15. März, 19.30 Uhr
- 2. März, 19.30 Uhr
- 4. Februar, 19.30 Uhr
- 11. Januar, 19.30 Uhr
- 18. Dezember, 19.30 Uhr
- 11. Dezember, 19.30 Uhr
- 9. Dezember, 19.30 Uhr
- 8. Dezember, 19.30 Uhr
- 4. Dezember, 19.30 Uhr
- 3. Dezember, 19.30 Uhr
- 25. November, 19.30 Uhr
- 23. November, 19.30 Uhr
- 14. November, 19.30 Uhr
- 7. November, 19.30 Uhr
- 6. November, 19.30 Uhr
- 5. November, 19.30 Uhr
- 27. Oktober, 19.30 Uhr
- 23. Oktober, 19.30 Uhr
- 18. Oktober, 19.30 Uhr
- 16. Oktober, 19.30 Uhr
- 15. Oktober, 19.30 Uhr







