Rainer Bock

wurde 1954 in Kiel geboren. Er studierte an einer privaten
Schauspielschule in Kiel. Sein Erstengagement trat er 1982
an den Bühnen der Landeshauptstadt Kiel an. Es folgten
Engagements am Landestheater Schleswig-Holstein, in
Heidelberg, Mannheim und am Staatstheater Stuttgart.
Bis 2011 war er Ensemblemitglied des Bayerischen
Staatsschauspiels. Er arbeitete u. a. mit Dieter Dorn, Elmar
Goerden, Barbara Frey, Hans-Ulrich Becker und Jens Daniel
Herzog. Neben seiner Theaterkarriere stand er für diverse
Film- und Fernsehproduktionen vor der Kamera. 2009 wurde
er für die Rolle des Arztes in Michael Hanekes Das weiße
Band
für den Deutschen Filmpreis nominiert. Auf der 61.
Berlinale war er 2011 mit vier Filmen vertreten.



Stück / Rolle
  • Hamlet / Geist von Hamlets Vater, Claudius (König von Dänemark)


Interview/Material

Rheinische Post, 27.9.2011

Rainer Bock spielt in Hamlet

Zuletzt hat er mit Steven Spielberg gedreht, in Michael Hanekes ausgezeichnetem Film ''Das weiße Band'' spielte er den Landarzt - Aber eigentlich kommt Rainer Bock vom Theater. Zuletzt spielte er in München, jetzt ist er Gast am Schauspielhaus.

von Dorothee Krings

Es begann mit einem Hechtsprung. Rainer Bock stand im Sekretariat einer Schauspielschule in seiner Heimatstadt Kiel, um sich zu bewerben. Doch statt langer Gespräche verlangte die Chefin kurzerhand, er solle vormachen, wie er reagieren würde, wenn jetzt ein Bus auf ihn zuraste. Bock warf sich mit einem ziemlich gewagten Sprung auf ein Sofa im Raum – und hatte den Platz an der Schule.

Bock erzählt das mit diesem spöttischen Ausdruck, den er so gut um seinen Mund spielen lassen kann. Er hat Spaß an Geschichten, die Erwartungen unterwandern. Spontanität und voller Körpereinsatz haben ihm den Weg in die Schauspielerei eröffnet. Lebenserfahrung hatte er schon gesammelt, als er mit 27 Jahren in der Schauspielschule stand. Nach dem Abitur hatte er sich fast zwei Jahre lang in der Anti-Atomkraftbewegung engagiert, hatte etwa mit anderen Atomkraftgegnern in einem alternativen Dorf gelebt, das schließlich von der Polizei geräumt wurde. Wenn sich heute wieder Menschen aufmachen, gegen Meiler zu demonstrieren, beobachtet Bock das eher distanziert. „Man fragt sich da doch, wie nachhaltig manches Engagement ist“, sagt er. Demonstrieren ist seine Sache nicht mehr, als politischen Menschen versteht er sich durchaus. In Kiel machte er sich nach den Erfahrungen in der Anit-AKW-Bewegung selbstständig, eröffnete zusammen mit einem Freund ein Café. „Mit weißen Wänden, Frühstückskarte, Kleinkunstprogramm, das gab es damals in Kiel noch nicht, ich kannte solche Cafés aus Berlin und fand, dass auch meine Heimatstadt so einen Ort haben sollte.“ Wieder so ein spöttisches Lächeln. Bock erzählt aus einem anderen Leben, das spürt man. doch gehört er nicht zu den Provinzverächtern. „Ich mag Kiel, ich mag den Duft der Hafenstadt, aber ich lebe auch gern in München.“

Die bayerische Hauptstadt ist seine Heimat, seit er 2001 zu Dieter Dorn ans Residenztheater ging. Als dort Martin Kusej mit dieser Saison das Zepter übernahm, wagte Bock den Schritt in die freie Tätigkeit. Schon zuvor hat er nebenher viel gedreht, Fernsehspiele und Kinofilme. Dafür soll nun noch mehr Zeit sein. Die Anfragen werden immer prominenter. Gerade hat Bock etwa mit Steven Spielberg gedreht. Der hatte ihn in seiner Rolle als Arzt in Michael Hanekes vielfach ausgezeichnetem Film „Das weiße Band“ gesehen. „Es ist aufregend mit solchen Leuten zu arbeiten“, sagt Bock, „aber es gibt auch hierzulande hervorragende Leute.“ Christian Petzold zum Beispiel. Mit ihm hat Bock vor kurzem eine Episode in dem Krimi-Projekt „Drei Leben“ gedreht, auch beim nächsten Projekt des Regisseurs ist er wieder dabei. „Petzold schreibt einfach großartige Bücher“, sagt Bock. Für ihn ist das entscheidend, wenn er über ein Angebot entscheidet. „Wenn das Buch überzeugt, nehme ich auch eine Nebenrolle an, von der ich nicht unbedingt die künstlerische Erfüllung erwarte“, sagt er. So ist von ihm manchmal auch als dem brillanten Mann für die Nebenrollen zu lesen. Doch so hat man auch lange über Christoph Waltz geschrieben, bis er den Oscar bekam. Doch Bock winkt ab, solche Vergleiche liegen ihm nicht. Lieber erzählt er, wie glücklich er mit seinem Beruf ist. „Weil ich sehr weit darüber entscheiden darf, womit ich mein Leben verbringe“, sagt er. Nur das viele Reisen von Drehort zum Theater zum nächsten Drehort schlaucht ihn. „Eigentlich bin ich ein Stubenhocker“, sagt Bock.

Trotzdem hat er als erste Gastrolle als freier Schauspieler ein Engagement in Düsseldorf angenommen. Schauspielhaus-Intendant Holm hatte Bock in „Das weiße Band“ gesehen, sich Arbeiten in München angesehen und den Schauspieler schließlich eingeladen in seinem „Hamlet“ mitzuspielen. Bock fand den Intendanten überzeugend. „Ich mag seine ruhige, warme, kluge Art“, sagt der Schauspieler, „er gehört nicht zu diesen präpotenten Regisseuren, die einem sofort erklären, wie sie das Theater neu erfinden.“ So pendelt Bock nun also zwischen München, wo seine Frau und sein 14 Jahre alter Sohn leben, und der neuen Wohnung in Düsseldorf, in der er für seine Gastzeit am Schauspielhaus lebt. „Ich brauche so einen Ort, an dem ich mich heimisch fühlen kann“, sagt Bock. Für Stadterkundungen ist ihm noch nicht viel Zeit geblieben. So ist er etwa noch auf der Suche nach einem Lieblingscafé – mindestens so schön wie sein eigenes, damals in Kiel.