Imogen Kogge
wurde in Berlin geboren. Nach der Ausbildung an der
Universität der Künste in Berlin folgten Engagements u. a.
am Schauspielhaus Hamburg, am Schauspielhaus Bochum,
am Schauspiel Fankfurt, am Schauspielhaus Zürich und am
Staatstheater Stuttgart. Zwölf Jahre lang war sie Ensemblemitglied der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz.
Sie arbeitete mit Regisseuren wie Augusto Fernandes, Luc
Bondy, Claus Peymann, Andrea Breth, Peter Stein und
Klaus Michael Grüber. Imogen Kogge spielte in etlichen
Film- und Fernsehrollen und übernahm für neun Jahre
die Rolle der Kommissarin Johanna Herz im Polizeiruf
110. Sie führte Opernregie an der Nationalen Reisopera
in Enschede, an der Scottish Opera in Glasgow und beim
Edinburgh Festival. 2006 erhielt sie den Grimmepreis und
den Deutschen Filmpreis, im Jahr darauf den Bochumer
Theaterpreis. Seit der Spielzeit 2011/12 gehört sie zum
Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses.
Stück / Rolle
Interview/Material
Rheinische Post, 30.8.2011
Imogen Kogge probt in Düsseldorf
Sie ist neues Mitglied im Ensemble am Schauspielhaus und probt gerade mit Intendant Staffan Holm ''Hamlet''. Viele dürften die Schauspielerin als Kommisarin aus dem ''Polizeiruf 110'' und verschiedenen Kinofilmen kennen, doch das Zentrum ihrer Arbeit stand immer das Theater.
von Dorothee Krings
Sie gehört zu den Schauspielern, die aus Neugier in diesem Beruf gelandet sind, weil sie sich ausprobieren wollen, eine Energie in sich spüren, die nach Ausdruck sucht und nicht nur brav an der Uni im Hörsaal sitzen wollen. Ungekünstelt erzählt Imogen Kogge (54) von ihrem Weg in die Schauspielerei. Sie kann das: enthusiastisch sein und zugleich nüchtern, geerdet, sie ist bodenständig ohne Piefigkeit. Doch obwohl sie keine Künstlerberufungsklischees bemüht, erzählt sie dann doch von diesem Moment: Erstes Engagement nach der Schauspielausbildung in Berlin, gleich am imposanten Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Kogge soll im „Hofmeister“ von Lenz die „Lise“ spielen, ein naives Bauernmädchen. Doch ist sie erst in einer späten Szene dran, bangt hinter der Bühne länger als die anderen ihrem ersten Auftritt entgegen. „Im Dunkeln musste ich auf die Bühne tappen, meine Beine haben so geschlottert, dass ich spürte, wie meine Kniee aneinander schlugen“, erzählt Kogge und klatscht mit den Händen, um das Drama der Situation zu untermalen, „es war schrecklich, so eine Aufregung. Doch dann spürte ich, wie mich ein Scheinwerfer fand, das Licht aufgezogen wurde und auf einmal überkam mich eine ungeheure Zuversicht, ich fühlte mich beruhigt und konnte meine Sätze so naiv und direkt sprechen, wie es die Rolle wollte.“ Diesen Moment hat Kogge nie vergessen. Sie war damit angekommen. Die Bühne hatte erst ihre Macht demonstriert und die junge Schauspielerin dann aufgenommen in ihr warmes Licht.
Das war 1980. Seither hat Imogen Kogge an vielen großen Bühnen gespielt – und sie war Johanna Herz, Hauptkommissarin für den ARD-„Polizeiruf 110“. Sie hat sich abgehoben in dieser Rolle, die sie im vergangenen Jahr nach neun Jahren niederlegte – eine Ewigkeit in Serienzeitrechnung. Kogge machte aus der Johanna Herz keine abgebrühte Superermittlerin, hart wie die Männer, nur schöner. Sie gab vielmehr die patente, einfühlsame, aber nicht biedere Kommissarin an der Seite des dicken Revierpolizisten Horst Krause. „Die Rolle war ziemlich nah an mir dran“, sagt Kogge, „ich habe versucht, nicht so ruppig zu spielen, auch mit den Verdächtigen immer höflich umzugehen.“ Und sie zeigte etwas Mütterliches, hatte in der Rolle eine erwachsene Tochter, die immer mal Rat suchte bei der lebensweisen Mutter. Auch das ist nah an ihrem Leben, denn auch in Wirklichkeit hat Kogge eine Tochter, die in zwischen in Tübingen studiert. „Meine Tochter großzuziehen, während ich voll im Beruf geblieben bin, hat nur geklappt, weil meine Schwester und der Rest der Familie mich so unterstützt haben“, erzählt Kogge. „Muttersein hat mich bisweilen an meine Grenzen geführt und zugleich ist es eine absolut einzigartige, wunderschöne Erfahrung, so sehr für einen anderen Menschen verantwortlich zu sein.“
Aufgezogen hat Kogge ihre Tochter in ihrer Heimatstadt Berlin. Von 1985 bis 1997 war sie dort an der Schaubühne am Lehninerplatz engagiert, arbeitete mit den bedeutendsten Regisseuren der Republik wie Peter Stein, Klaus Michael Grüber, Andrea Breth. Diese Zeit hat sie geformt. „Die Ernsthaftigkeit der Auseinandersetzung mit Stücken dort hat mich geprägt“, sagt Imogen Kogge, „allein mit Leseproben haben wir manchmal drei Wochen verbracht.“ Bis heute hat Kogge eine Wohnung in Potsdam – Berlin und Umgebung sind ihre Heimat. „Dort habe ich mein Standbein“, sagt sie. Das Spielbein berührt immer neue Punkte in der Republik. Zuletzt Bochum. Dort gehörte sie zum Ensemble unter Intendant Elmar Goerden, spielte große Rollen wie die Elisabeth in Schillers „Maria Stuart“.
Jetzt ist Düsseldorf an der Reihe. Imogen Kogge ist festes Ensemblemitglied des neuen Intendanten Staffan Holm, probt gerade „Hamlet“. Darin spielt sie Gertrude, Hamlets Mutter. Überraschenderweise hat sie noch nicht oft Shakespeare gespielt. Dabei verdankt sie dem Dichter doch ihren Vornamen: Imogen ist in Shakespeares Drama „Cymbeline“ eine Königstochter. „Shakespeare zu spielen, ist natürlich ein Genuss und eine große Herausforderung“, sagt sie, „und die Proben sind besonders spannend, weil ein neues Ensemble sich zum ersten Mal in der Arbeit begegnet.“
Wie als junge Schauspielschülerin reizt Kogge noch heute am Theaterspiel, dass sie sich in Rollen ausprobieren kann. „Jedes Stück ist wie eine Reise“, sagt sie, „ jetzt erforschen wir den Planeten Hamlet.“ Am 14. Oktober werden die Trophäen dieser Expedition ausgestellt – dann ist „Hamlet“-Premiere im Schauspielhaus.
Imogen Kogge, 1957 in Berlin geboren, ist nicht nur Schauspielerin, sondern unterrichtet an diversen Hochschulen und inszeniert auch selbst – und zwar Opern. Nach einigen Arbeiten in den Niederlanden gastiert sie im nächsten Jahr mit Donizettis „Anna Bolena“ an der Kölner Oper.
Auch im Kino wird sie wieder zu erleben sein, etwa in der Verfilmung des Kaminer-Romans „Russendisko“. Wer Kogge jetzt schon einmal in einem Spielfilm erleben will, dem sei vor allem „Requiem“ empfohlen.

